I Unbehaust
Diese Liebe sucht sich einen Namen
für ein Etwas
zwischen ihm und ihr
Unbehaust
Da gibt es eine Liebe
die kein Haus hat
und kein Türschild
Sie hat keinen Platz
an der Seite des andern
Nicht beim Fest
und nicht bei der Beerdigung
Diese Liebe
sucht sich einen Namen
und einen Windschutz
für ein Etwas
zwischen ihr und ihm
Grund zum Feiern
Du bist wiedergekommen
und ich auch
Wir sitzen am Tisch
Wir sehen uns
unser Zittern vor dem Kampf
und unser Strahlen danach
Herb und sorgsam
sind unsere Schläge
Weit der Raum
den wir uns geben
und zart die Hand
hier und dort
Aufleuchten können Worte
die wir darauf finden
für das was lebt
zwischen dir und mir
Feiern wir
II Der Sturm
Den Sturm hast du mir gesandt
Er hat meine Räme leergefegt
Nichts gemacht
Heute habe ich nichts gemacht
Aber einiges hat sich in mir getan
Magnetnadeln haben sich lautlos
neu ausgerichtet
Ein verdorrtes Blatt
ist heruntergefallen
Ein verlorener Schatten
ist wieder da
Ein Kraut ist durch Risse im Beton
gewachsen
Verschwommenes hat sich im Spiegel
scharf gezeichnet
Und lange Umkreistes hat sein Wort gefunden
III Mann mit Haus
Plötzlich ist er da
der Mann im Keller
am Küchentisch
in meinen Armen
Mann mit Haus
Er trägt ein Haus
auf dem Rücken
Er schwitzt
Er kommt von weit her
Wo stellt er sein Haus hin?
Nicht in meinen Garten
sagt sie zu ihm
Ich brauche Platz
für die Nachtkerzen
Was wenn in seinem Haus
Licht ist
für ihre Nacht?
Am Morgen
Auf dem Fenstersims
duftet die Morgensonne
im struppigen Lavendel
Der Schrei
der sich löste und davonflog
hängt rot in den Ästen der Kastanie
Und unter der Decke ist noch
das Restchen Wärme
vom Arm der dich hielt
während die Katze in den Wolken vorbeizog
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