Die Unternehmensentwicklung in der Deutschschweiz wird vor allem durch drei Dinge getragen: stabile Rahmenbedingungen (Recht, Währung, Infrastruktur), hochqualifizierte Fachkräfte und ein sehr dichtes Ökosystem aus Finanzierung, Beratung, Technologie und internationalen Firmen. Besonders sichtbar ist das in Zug, Zürich und Bern – drei Regionen mit unterschiedlichen Stärken, die sich gegenseitig ergänzen.

Zug: „Speed + Steuern + Internationalität“

Zug ist dynamisch, weil es Unternehmen extrem „reibungslos“ macht zu skalieren:

  • Attraktiver Standort für Holdings, Trading, Tech & Start-ups: Viele internationale Strukturen sitzen in Zug, weil Verwaltung, Treuhand, Rechtsberatung, Banken/Finanzdienstleister und Behördenprozesse sehr gut eingespielt sind.
  • Dichte an Kapital & Netzwerken: Private Investoren, Venture-Szene, Business Angels, Treuhänder und Corporate Services sind überdurchschnittlich präsent.
  • Positionierung als Innovations-Hub: Zug zieht Firmen an, die Geschwindigkeit wollen – von SaaS bis FinTech/Blockchain-nahen Geschäftsmodellen.

Konsequenz: Viele Firmen gründen in Zug, halten dort das „Kopfquartier“ und wachsen operativ in andere Kantone oder international.

Zürich: Finance, Tech, Headquarter-Magnet

Zürich ist die „Maschine“ der Deutschschweiz:

  • Finanzplatz + Unternehmensdienstleistungen: Banken, Versicherungen, Asset Management, Kanzleien, Beratungen – das schafft Jobs, Kunden und Kapital für neue Firmen.
  • Tech- und Talent-Pool: Zürich ist für Start-ups und Scale-ups attraktiv, weil man dort schneller Teams baut (Engineering, Sales, Data, Marketing).
  • Internationaler Markt: Viele Unternehmen nutzen Zürich als „Entry Point“ in den DACH-Raum und als Standort für HQ-Funktionen (Finanzen, Legal, Marketing, Business Development).

Konsequenz: In Zürich entstehen viele Firmen, die von Anfang an „international denken“ und schneller professionalisieren.

Bern: Stabilität, Gesundheitswesen, Nähe zum Staat

Bern entwickelt sich unternehmerisch anders: weniger „Hype“, mehr Planbarkeit.

  • Nähe zu Verwaltung und Regulierung: Für Branchen mit starker Regulierung (Gesundheit, Versicherungs- und Sozialthemen, öffentliche Beschaffung) ist Bern strategisch.
  • Gesundheits- und Medizindienstleistungen: Spitäler, medizinische Zentren, Labore, Zulieferer und spezialisierte Dienstleister sorgen für konstante Nachfrage.
  • KMU-Struktur: Viele solide, langfristig geführte Unternehmen – oft mit Fokus auf Qualität, Prozesse und stabile Cashflows.

Konsequenz: Bern ist stark für Unternehmen, die Stabilität, Compliance und langfristige Beziehungen brauchen.


Branchen, die du genannt hast

1) Ästhetische Chirurgie: Premium-Medizin + Nachfrage + Medical Tourism

Die ästhetische Chirurgie und ästhetische Medizin wachsen in der Deutschschweiz (und rund um sie) typischerweise aus diesen Gründen:

  • Demografie & Lifestyle: Mehr zahlungsbereite Patient:innen, mehr Akzeptanz für minimalinvasive und chirurgische Eingriffe.
  • Qualitäts- und Sicherheitswahrnehmung: „Schweizer Medizin“ hat international einen starken Ruf – wichtig für Patient:innen, die Sicherheit suchen.
  • Medical Tourism (selektiv): Ein Teil der Nachfrage kommt aus dem Ausland oder von Expats, wenn Positionierung, Mehrsprachigkeit, Betreuung und Nachsorge überzeugen.
  • Kommerzialisierung/Marketing: Kliniken professionalisieren Branding, Online-Reputation, Terminprozesse, Patientenkommunikation und Servicequalität – das macht Wachstum planbarer.

Wichtig fürs Wachstum: klare Spezialisierung (z. B. Brust, Gesicht, Body), dokumentierte Qualität, transparente Prozesse, starke Nachsorge und sauberes Patientenerlebnis.

2) Unternehmenskredite: Wachstum braucht Liquidität (nicht nur „Gewinn“)

In Zug/Zürich/Bern sieht man stark, dass Firmen Finanzierung als Wachstumshebel nutzen:

  • Betriebsmittel & Cashflow-Steuerung (Saison, Großaufträge, Einkauf, Löhne)
  • Investitionen (Geräte, Ausbau, IT, neue Standorte)
  • Akquisitionen / Management-Buy-outs (gerade bei KMU-Nachfolgen)
  • Brückenfinanzierung zwischen Auftrag und Zahlung

Der Trend geht zu mehr Finanzierungs-Mix: klassische Kredit Bank + alternative Finanzierer + Leasing/Factoring, je nach Sicherheiten, Marge, Planbarkeit und Tempo.

3) Medizinische Dienstleistungen: ambulant, spezialisiert, digitaler

Der Gesundheitsbereich entwickelt sich unternehmerisch in Richtung:

  • Ambulantisierung (mehr Behandlungen außerhalb des Spitals)
  • Spezialisierte Zentren (Orthopädie, Dermatologie, Augen, Schmerz, Prävention)
  • Patient Journey wird ein Wettbewerbsvorteil: Terminzugang, Erreichbarkeit, Mehrsprachigkeit, digitale Prozesse, koordinierte Nachsorge
  • Kooperationen: Gruppenpraxen, Netzwerke, integrierte Versorgungsmodelle

Gerade rund um Zürich und Zug sind private medizinische Angebote oft stärker „service-getrieben“, während Bern stark in Struktur, Qualität und Systemnähe ist.

4) Tourismus: Stadt, Berge, Kongresse – mit hoher Wertschöpfung

Der Tourismus wächst in der Deutschschweiz vor allem dort, wo man Erlebnis + Erreichbarkeit + Premium kombiniert:

  • Städtetourismus (Zürich als internationaler Magnet, Shopping, Kultur, Business Travel)
  • Kongress- und Business-Tourismus (Hotels, Eventflächen, Firmenbesuche)
  • Premium- und Naturtourismus (kurze Wege: Stadt → See → Berge; sehr attraktiv für internationale Gäste)
  • Service-Ökosystem: Gastronomie, Transport, Guides, Retail, Wellness/Medical-Spas – das erzeugt viele Unternehmensgründungen und Kooperationen.

Fazit (kurz)

  • Zug: Geschwindigkeit, internationale Strukturen, kapitalnahes Ökosystem.
  • Zürich: Finance + Tech + Headquarter-Power, großer Talent- und Kundenmarkt.
  • Bern: Stabilität, Gesundheits- und regulierungsnahe Geschäftsmodelle, starke KMU-Basis.